Visuelle Hacker

Krieg gegen das offene Internet im Iran. Feminisierung der politischen Verfolgung. Nicolas Sarkozys Gefängnistagebuch.  Mags

Landschaften im Denken

Wilder Ritt durch Harare mit Farai Mudzwinga. Petra Morsbach, Peggy Mädler. Hamza Abu Howidys Gaza. Bücherbrief

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Funken girlandener Wörter

09.07.2026. Die FAZ nimmt mit Valentin Groebner die Mittelalterbegeisterung der Linken in den achtziger und neunziger Jahren unter die Lupe. Die NZZ fällt mit Hermann Burgers Theaterstück "Die Scheintoten" mit Begeisterung dem Wahnsinn anheim. Die Zeit empfiehlt Svenja Leibers Roman "Nelka" über das Schicksal einer polnischen Zwangsarbeiterin während der NS-Zeit. Dlf zieht den Hut vor Adèle Yon und ihrem Psychiatrie-Roman "Mein wahrer Name ist Elisabeth". Und Dlf Kultur bewundert, wie der futuristische Lyriker Michajl Semenko in seinen Versen Sprachkunst und politische Wut vereinte.  Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Fitnessübung für Ausgebeutete

09.07.2026. Aktualisierung: Der Büchnerpreis geht in diesem Jahr an Christine Wunnicke. Die FAZ greift nochmal die Wenders-Kinski-Debatte auf und empfiehlt statt bigotter Verurteilung der Vergangenheit eine "Selbstüberprüfung in der Gegenwart". Die Nachtkritik verfolgt in Jena das Schicksal der Kassandra als antikes Biopic mit Gegenwartsbezug. Der Tagesspiegel ist hocherfreut über die Rekonstruktion der Villa Rezek bei Wien, einer "Ikone des Neuen Bauens". Die Welt geht unter, aber der Popmusik fällt nichts besseres ein als Selbstliebe, schäumt die taz. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

36 Prozent der Stimmabsichten

09.07.2026. Marine Le Pen ist  zwar in zweiter Instanz verurteilt, aber sie darf kandidieren - und sie hat wohl die größten Aussichten, Frankreichs nächste Präsidentin zu werden, fürchtet Le Point. Die FAZ hofft dagegen, dass ihr die Wähler ihre finanziellen Mauscheleien nicht verzeihen. Die Fußball-WM ist mehr oder weniger eine französische Angelegenheit, konstatiert die taz: 99 der nominierten Spieler sind auf französischem Boden geboren, auch wenn sie für Algerien, Haiti, die DR Kongo und Senegal spielen. Im philomag skizziert der palästinensische Aktivist Hamza Howidy einen künftigen Frieden. Die SZ beschreibt die gefährlichen Umtriebe des Rechtspopulismus in Polen. Mehr...

FOTOLOT

In der Weite des Felds

08.07.2026. Hans van der Meer sucht in seinem Fußballfotobuch "Torhüter - Von den Plätzen des europäischen Amateurfußballs" nicht die Athletik und Dynamik des Spiels, auch keine Legenden wie Maradona oder Zidane, sondern die Einsamkeit des Torhüters auf europäischen Bolzplätzen. Seine Arbeiten sind im Grunde Bilder einer spezifischen Form von europäischer Kulturlandschaft. Und der Sehnsucht nach sozialem Aufstieg. Von Peter Truschner. Mehr...

IM KINO

Wir sind hier nicht in Frankreich

08.07.2026. Leyla Bouzid erzählt in "Mit leiser Stimme" von einer jungen Frau, die bei einem Besuch in ihrer tunesischen Heimat ihre Sexualität verbergen muss. Ihr Film, der vor allem weibliche Homophobie thematisiert, vertraut darauf, dass Empathie effektiver ist als bombastischer Pathos. Von Michael Kienzl. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Visuelle Hacker

07.07.2026. New Lines beobachtet die Demontage des offenen Internets im IranEurozine diagnostiziert eine Feminisierung der politischen Verfolgung in Russland. Russlands territoriale Größe könnte im Ukrainekrieg erstmals sein Verderben werden, meint der Historiker Sergej Medwedew in Dekoder. Die London Review liest Nicolas Sarkozys Gefängnistagebuch. Aktualne berichtet vom Internationalen Bohemistenkongress in Prag. Im MIT Press Reader erklären der Philosoph Roberto Casati und der Psychologe Patrick Cavanagh, warum Künstler seit Jahrhunderten die Schatten falsch malen. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Landschaften im Denken

06.07.2026. Noch heißer als die letzten Tage sind unsere neusten Lektüretipps: Farai Mudzwinga nimmt uns mit auf einen fiebrigen und wilden Ritt durch die Straßen von Harare. Petra Morsbach erkundet mit scharfem Blick die Büchermenschenwelt, Karine Tuil erzählt mit Biss und Witz vom Fall eines französischen Ex-Präsidenten und Hamza Abu Howidy schickt eine facettenreiche Innenansicht aus Gaza. Dies alles und mehr in unseren besten Büchern des Monats Juli. Mehr...

INTERVENTION

Herzingers Kassandrarufe

02.07.2026. Im Oktober letzten Jahres ist der Autor und Perlentaucher-Kolumnist Richard Herzinger im Alter von 69 Jahren gestorben. Heute erscheint der Band "Letztes Wort Freiheit" mit Essays Herzingers seit 1992. Es geht um Heiner Müller, deutsche Intellektuelle nach Srebrenica, den 11. September, Botho Strauß, die 68er, die RAF, die Gefahr des Rechtsextremismus, die Ukraine, - und viele andere Themen. Herzinger war mehr als ein Leitartikelschreiber - seine Essays gehören in die große Tradition antitotalitären Denkens. Aus den Essays bringen wir aus Anlass des Erscheinens einige Gedankensplitter, die zeigen, wie früh Herzinger jene Tendenzen benannte, denen die Demokratien heute zu erliegen drohen. Von Thierry Chervel, Richard Herzinger. Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Eine Art von sozialem Vertrauen

25.06.2026. Fünfzig Jahre Courage: Ein Abend in der Bar jeder Vernunft erinnerte an die berühmte feministische Zeitschrift. Und an einen Feminismus, in dem mehr die Rede von dem war, was gemeinsam erreicht werden kann als von partikularen Identitäten. Politik war mehr durch die Richtung bestimmt, in die man wollte, als von den Wurzeln, dem Hintergrund, der diskriminierenden Erfahrung. Von Elke Schmitter. Mehr...

FOTOLOT

Mal zart, mal roh

24.06.2026. Die "Triennale der Photographie" bietet einen Anlass zu melancholischer Reflexion über den Lauf der Zeit. Sabine Schnakenberg hat in der Ausstellung "Cocktail Prolongé" Bilder der Nacktheit aus der spektakulären Sammlung von F.C. Gundlach zusammengestellt - ein Who's who der Fotografie. Ich behaupte: Im angloamerikanischen Raum wäre diese Ausstellung heute schlicht unmöglich zu realisieren. Von Peter Truschner. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Bot-Attacken gegen den Perlentaucher

23.06.2026. Liebe Leserinnen, liebe Leser, der Perlentaucher wird zur Zeit  wie viele andere Internetseiten von Bots attackiert. Darum kann es passieren, dass unsere Seiten, obwohl sie von uns normal ausgeliefert werden, nicht erreichbar sind. Wir arbeiten an dem Problem. Mehr...

TAGTIGALL

Wiederholung - ein Erkundungsflug

22.06.2026. Poesie kann die "bequemen Polster linearer Erzählung wegschneiden" und die Dinge, auch die entferntesten, im Wiederholen bannen, sagte die Dichterin Lea Schneider auf dem diesjährigen Berliner Poesiefestival. Drei Künstlerinnen - Anne Carson, Mia You und Valzhyna Mort - zeigten, was die Kunst der Wiederholung vermag. Von Marie Luise Knott. Mehr...

INTERVENTION

Giftige Brühe

22.06.2026. "Ich habe mich entschieden, es einen Genozid zu nennen", sagte Ines Schwerdtner von der Linkspartei auf dem Parteitag. Die Delegierten jubelten. Dieser Satz verdient es, näher betrachtet zu werden. So wie Sally Rooneys Satz. "Die Befreiung Palästinas bedeutet die Befreiung der Welt." Israel wird zur Obsession - nicht nur der Linken: Im Hass auf Israel fusionieren die totaliären Ideen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

MIND THE GAP

Alle vier Jahrzeiten überstanden

22.06.2026. Der Perlentaucher und das "Toledo"-Programm des Deutschen Übersetzerfonds starten eine Zusammenarbeit. Der Perlentaucher wird auf die "Toledo"-Journale verweisen, in denen ÜbersetzerInnen über ihre Arbeit an ganz konkreten Büchern reflektieren. Und wir starten zusammen mit "Toledo" eine neue Kolumne - "Mind the Gap": Hier geht's ums Übersetzen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Den Start macht die Chinesisch-Übersetzerin Karin Betz: "Literaturübersetzung ist kein Rechenexempel, sie ist im besten Sinn unberechenbar." Von Karin Betz. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Helga Kurzchalia: Weltzeituhr

18.06.2026. In "Weltzeituhr" erzählt Helga Kurzchalia von den Siebziger- und Achtzigerjahren in Ostberlin und verwebt individuelle Erfahrungen mit dem Weltgeschehen: Eine junge Psychologin fühlt sich durch die gesellschaftlichen Verhältnisse in ihrer Freiheit eingeschränkt und fragt sich immer wieder, was normal ist und warum ihr das Normale oft so befremdlich vorkommt. Ist es ein Nachhall auf die Nazizeit? Oder ein Abbild der DDR mit ihren Normen und Zwängen, der gefühlten Enge? Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Jahrbuch Sexualitäten 2026

17.06.2026. Das "Jahrbuch Sexualitäten" ist ein jährlich erscheinendes Periodikum, das Fragen des Sexuellen in einem weiten Sinne thematisiert. Als Vorabdruck haben wir das von Jan Feddersen geführte Gespräch mit der österreichischen Grünen-Politikerin Faika El-Nagashi gewählt. Sie erzählt von ihren zwei Coming Outs - als Lesbe, nicht einfach etwa gegenüber ihrem Vater, und als queerkritische Feministin, die ihre Schwierigkeiten mit dem Sternchen hat. Erschreckend, wie groß der politische Druck auf die Szene ist, um einen bestimmten Begriff der Queerness durchzusetzen. Mehr...

INTERVENTION

Das rot-braune Phänomen

11.06.2026. Die republikanische Linke in Frankreich ist einst im Zeichen der Dreyfus-Affäre als ein anti-antisemitisches Lager entstanden.  Der Antisemit war der politische Gegner. Das hat sich verschoben. Ein großer Teil der Linken legt eine Judophobie an den Tag, die nicht einfach ein moralischer Fehler ist, sondern den Verlust des Bezugspunkts bedeutet, der ihrer Geschichte einen Sinn gab. Das führt zu einer Annäherung der Linken an den Faschismus, die die israelische Linke mit aller Kraft bekämpfen muss. Von Eva Illouz. Mehr...

FOTOLOT

Das reale Blut

10.06.2026. Gibt es eine Refeudalisierung in der Kunst? Anschließend an meine Kolumne zu Martin Warnkes Geschichte der "Hofkünstler"stellt sich die Frage, wie Macht und Kunst sich heute organisieren. Nehmen wir die "Rebellin" Florentina Holzinger, die den größten Hype auf der Biennale Venedig erzeugte - vertreten wird sie aber von einer jener Galerien, die die heute so typische Mischung aus VIP-Lounge und markenorientiertem Fertigungsbetrieb betreibt. Das heißt nicht, dass einige ihrer Arbeiten nicht großartig sind. Von Peter Truschner. Mehr...

WO WIR NICHT SIND

Lust auf Veränderung?

09.06.2026. Kuba liegt erschöpft am Boden. Die privilegierten Enkel der Revolution bringen ihre Reichtümer in Sicherheit, die normalen Menschen können selbst von Eintopf mit Schweinsfüßen nur noch träumen. In Leonardo Paduras jüngstem Roman "Anständige Leute" liegt noch Hoffnung in der Luft, und doch zeichnet er das treffende Porträt eines ausgelaugten Landes, das Hoffnung nicht mehr aus sich selbst heraus schöpfen kann. Von Thekla Dannenberg. Mehr...

ESSAY

Liebe, Rache, Algorithmus

05.06.2026. Microdramen erreichten in China vergangenes Jahr bereits knapp 700 Millionen Nutzer, auch in Nordamerika und Europa werden sie bereits produziert: Vulgäre Seifenopern fürs Smartphone, billig produziert - von Klick zu Klick geht es von einer grobschlächtigen Szene zur nächsten. Der gut situierten Großstädterin gefällt's: Die nächste Stufe der Industrialisierung des Erzählens ist erreicht. Von Tilman Baumgärtel. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

Beliebte Bücher

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