Die Welt widerfährt uns

Die rechte Hand von Joe McCarthy und der Trumps. Michel Foucault in Hamburg. Navi Pillay. Raphael Glucksmann.  Magazine

Literaturbeilagen

Wir haben alle Kritiken der Zeitungen aus den Beilagen im Oktober 2026 ausgewertet. Sämtliche Notizen finden Sie hier.

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Fertig / machen zum Tauchen

23.10.2026. Der FAZ klingen die Ohren beim Lautlesen der fintenreichen Verse von Jörg Schieke. In Gilad Seliktars Graphic Novel folgt sie dem Holocaust-Überlebenden Klaus Zwilsky. Die SZ schlüpft mit George Saunders in allerhand Personen, um sie zu beschützen. Die FR lernt Taiwan von allen Seiten kennen in Yang Shuang-Zis "Taiwan-Tagebuch". Dlf Kultur denkt mit Caroline Fraser über die Verbindung zwischen Umweltverschmutzung und Serienmorden nach. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Mit Zähnen und Klauen

23.10.2026. Vielleicht ist der Kampf gegen KI in der Literatur schon längst verloren, fürchten FAZ und NZZ mit Blick auf die KI-Vorwürfe gegen den haitianischen Schriftsteller Thélyson Orélien. Monopol schaut in Hamburg mit Joyce Pensato in die finsteren Augen von Mickey Mouse. Die FAZ vergnügt sich in Frankfurt mit den Sphingen und Hexen von Leonor Fini. Artechock bewundert die Ästhetik der Verweigerung in  Lee Chang-dongs Film "Possible Love" über Klassenunterschiede im Südkorea. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Fatal ist mir das Lumpenpack

23.10.2026. Es kommt nicht darauf an, die Gewalt zu verurteilen, sondern sie zu verstehen, schreibt Edouard Louis in Libération. Sein Artikel wird diskutiert - Louis spricht sich in einem TV-Interview sehr deutlich für Gewalt aus. Die taz erklärt deutschen Jugendlichen, die jetzt auch demonstrieren wollen, sie müssten sich nicht von Gewalt distanzieren, weil die eh vom Staat ausgehe. Es sind Hunderttausende AfD-Mails geleakt worden - wird es nun einfacher, die Partei zu verbieten, fragen Zeit und taz. Ebenfalls in Zeit online fragt der Ökonom Dominic Rohner, ob sich KI verstaatlichen lässt. Mehr...

IM KINO

Schauspieler in seinem eigenen Leben

20.10.2026. Marmorne Züge der Verschlossenheit prägen das Gesicht von Reda, der Hauptfigur in Karim Moussaouis faszinierendem Film "Das Verschwinden". Unter der Oberfläche schwelt in dem jungen Mann, dessen Spiegelbild eines Tages zu verschwinden beginnt, jedoch eine diffuse Gewalt. Von Alice Fischer. Mehr...

IM KINO

Sei nicht du selbst

21.10.2026. Wohlige Solidaritätsgefühle gab es 1975 nicht in Elfriede Jelineks "Liebhaberinnen" - und es gibt sie auch 2026 noch nicht in Caroline Kox' Verfilmung und Aktualisierung des Romans. Wieder schlagen sich zwei Frauen mit dem Patriarchat herum, das damals wie heute Unterwerfung verlangt. Von Benjamin Moldenhauer. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Die Welt widerfährt uns

20.10.2026. Die London Review stellt den Anwalt Roy Cohn vor, rechte Hand von Joe McCarthy und später Mentor von Donald Trump sen. und jun. Eurozine bewundert die Plastikdeserteure des Künstlers Sergei Prokofiev. Tablet träumt von einer Welt, in der der Raphael Glucksmann klug genug wäre, im Wahlkampf wenigstens Mélenchon zu schlagen. Queer Nations erinnert an Michel Foucaults produktive Jahre in Hamburg. Verstka erzählt, was einen in Russland erwartet, wenn im Kino ein Kurzfilm angekündigt wird.
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INTERVENTION

Putins feuchter Traum

19.10.2026. Die Gewalt in Frankreich ist weder Ausdruck mangelnder Integration bestimmter Bevölkerungsgruppen, noch soll sie eine Unzufriedenheit mit der französischen Politik artikulieren. Sie soll die jetzt schon herrschende Polarisierung in Frankreich zum Exzess treiben und die Fünfte Republik als Ganzes kippen. Europa würde mit in den Abgrund rutschen. Von Thierry Chervel. Mehr...

FOTOLOT

Dieser Rausch der Formen

15.10.2026. Wer durch die Neue Nationalgalerie schreitet, und sich mit Maurizio Cattelans peinlich vordergründigen, in Ihren Effekten wohlkalkulierten Skulpturen und Rauminstallationen konfrontiert sieht - der Papst liegt am Boden, Hitler ist auf den Knien, das Pferd hängt von der Decke und kann somit nicht durchs nachgebildete Brandenburger Tor traben -, kann nur den Kopf schütteln. Sicher, Cattelans Arbeiten haben einen gewissen Humor, der in Wahrheit jedoch nicht über Pennälerwitze hinaus geht. Aber es gibt ein Gegengift, in Berlin selbst: Leute, erinnert euch an Brassai, den Fotografen der Pariser Nacht - und noch viel mehr, ausgestellt in der Galerie Berinson. Von Peter Truschner. Mehr...

IM KINO

Die Welt im Fluss

14.10.2026. Im Gespräch mit Fremden kann es passieren, dass das Innerste nach Außen tritt. Sebastian Brameshubers "London" ist ein gefühlvolles Kammerspiel, das das Auto seiner Hauptfigur kaum einmal verlässt. Von Tilman Schumacher. Mehr...

IM KINO

Kein Funken Selbstreflexion

14.10.2026. Die Reichen und Schönen treffen sich für ein scheinheiliges Charity-Event in Griechenland und werden dort von einer esoterischen Umweltsekte heimgesucht. Romain Gavras' Milliardärs-Satire "Sacrifice" bewegt sich auf bekanntem Terrain, punktet aber mit einem glänzend aufgelegten Cast. Von Michael Kienzl. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Mit Gogol und Charms

12.10.2026. Ein Dorf kann ganz gewöhnlich deutsch sein und doch überwältigend: aber nur wenn es von der Buchpreis-Gewinnerin Shida Bazyar wie in ihrem Roman "Die Lücken" porträtiert wird. Die Kritiker bewundern ihr Spiel mit den Identitäten. Dora Kapralovas kleines Juwel "Die Mariborhypnose" und Jachym Topols barocker Unbildungsroman "Die Hölle gibt es nicht" vertreten würdig den tschechischen Buchmesseschwerpunkt. Manuela Müller schickt eine aufwühlende Reportage aus Sachsen, wo die Jugend wieder Hakenkreuze malt. Und eine Biografie wirft ungemütliches Licht auf den Spiegel-Gründer-Rudolf Augstein. Mehr...

INTERVENTION

Die Dialektik von Schweigen und Benennen

11.10.2026. Philippe Sands beklagte in seiner Friedenspreisrede das Schweigen über Verbrechen Israels, die er aber selber gar nicht benannte. Er kritisierte die deutsche Regierung, forderte, dass sie Palästina anerkenne und Israel sanktioniere. Die "Staatsraison" nannte er rassifiziert. "Schweigen - und Schweigen über Verbrechen - ist, was ich anfechte und worüber ich schreibe", sagte er - und schien die klaffenden Leerstellen in der eigenen Rede gar nicht zu bemerken. Von Thierry Chervel. Mehr...

TAGTIGALL

Homerika

05.10.2026. Ihre ausführliche Kritik an Christopher Nolans Film "Die Odyssee" beendete die britische Altphilologin und Homer-Übersetzerin Emily Wilson sinngemäß mit der Bemerkung, dass sie Nolan trotzdem sehr dankbar sei. Schließlich trage er auf seine Weise dazu bei, dass die Odyssee auch in Zukunft gelesen werde. Tatsächlich gibt es in jüngerer Zeit eine gewisse Renaissance: einige Dichterinnen haben sich Homers Werken auf neue Weise zugewandt. Hier ein paar Fundstücke. Von Marie Luise Knott. Mehr...

ESSAY

Uneinsehbare black box

01.10.2026. Rachel Szors und Yuval Abrahams Dokumentarfilm "Naza", der in Venedig mit Applaus überschüttet und mit einem Preis bedacht wurde, ist allein in Berlin in zehn Kinos angelaufen. In diesem Film wird unter anderem behauptet, Israel sei bereit, 500 tote Zivilisten als "Kollateralschäden" zu akzeptieren, wenn es gelinge, bestimmte Hamas-Führer zu töten. Nur ist kein einziges Ereignis überliefert, wo eine solche Anzahl von Toten von den Israelis in Kauf genommen wurde. Abrahams Berufung auf den Guardian als ein Institut, das seine Aussagen überprüfe, ist nicht stichhaltig. Von Daniel Rotstein. Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Der Weise aus Paolo Alto

30.09.2026. Francis Fukuyama ist nach Berlin gekommen und stellt sein neues Buch in entspanntester Weise dar, offenbar ungequält von der notwendigen Kürzung geistesgeschichtlicher Referenzen (Hegel, Marx, Nietzsche etc.) und um voraussetzungsfreie Verständlichkeit bemüht - wie Professoren aus den USA es gut und gerne tun. Alles scheint so weit in Ordnung zu sein, wäre da nicht diese Klasse der thymotisch Aufgewühlten. Von Elke Schmitter. Mehr...

IM KINO

Von allen Seiten unter Druck

29.09.2026. Die Hölle der deutschen Bürokratie lernen sie ausgiebig kennen, mit der Gesellschaft, in die sie sich integrieren sollen, haben sie kaum Kontakt: Marvin Mennés Dokumentarfilm "Wohin mit mir?" folgt Majd und Shajfaisal, zwei jungen Geflüchteten, durch ihren Alltag. Von Lukas Pazzini. Mehr...

WO WIR NICHT SIND

Stimmt meine Frisur, dann stimmt mein Leben

28.09.2026. Zwei Reporterinnen verfallen dem Kongo: Judith Raupp erzählt in "Morgen gehe ich einkaufen, wenn der Markt noch steht" von ihrem Leben in Goma im Osten Kongos. Zwischen Kriegszügen, Vulkanausbrüchen und Epidemien scheinen wunderbare Momente der Freundschaft auf, des Miteinanders - und der Extravaganz. Und die britische Reisereporterin Sophy Roberts folgt den Spuren einer belgischen Expedition, die 1879 für Leopold II. indische Elefanten in den Kongo bringen sollte. Von Thekla Dannenberg. Mehr...

ESSAY

Postmortale Unschuldsvermutung

21.09.2026. Neulich atmete die deutsche Öffentlichkeit auf. Endlich schien der Anschlag auf das Haus der Israelitischen Kultusgemeinde in München im Jahr 1970 geklärt. Sieben Bewohner, Holocaust-Überlebende, sind bei diesem Anschlag ermordet worden. Nachdem sich eine Zeugin vom Hörensagen gemeldet hatte, identifizierte die Polizei einen Rechtsextremisten, der vor einigen Jahren gestorben ist. Aber es gibt erhebliche Zweifel an seiner Täterschaft - vor allem der von der Polizei dargestellte Tathergang ist extrem unplausibel. Denn direkt vor seinem Anschlag mit einem zwanzig Kilo schweren Benzinkanister soll der Täter außerdem noch versucht haben, einen Juwelierladen in der Nähe auszurauben. Eine Rekonstruktion. Von Wolfgang Kraushaar. Mehr...

TASCHENBÜCHERBRIEF

Taschenbücherbrief: Wie in einem Fiebertraum

04.09.2026. Der neue Taschenbücherbrief ist da! Und da ist viel Schönes dabei: Jonas Lüscher geht auf einen atemlosen Trip durch die Länder und Jahrhunderte. Fiona Sironic jagt im vom Klimawandel ausgetrockneten Wald im Jahr 2050 Dinge in die Luft. Leon Engler blickt in das Gesicht des Wahnsinns. Volker Weiss entlarvt die Geschichtsklitterung der Rechten. Und Perlentaucherin Alice Fischer empfiehlt Jakob Heins berauschte DDR-Satire "Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste".   Von Alice Fischer. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...