Der Plot ist Slob

Robert Kagan erklärt, wie Iran den Krieg gewann. Geschichte des Sklavenhandels in der muslimischen Welt. Magazinrundschau

Nacktheit der Verhältnisse

David Vajdas exzentrische Bohème-Familie. Dana Grigorceas Liebesgeschichte in den Karpaten. Nicholas Potter und die autoritäre Linke. Bücherbrief

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Alles atmet Frieden

20.05.2026. Die NZZ fährt mit Felicitas Hoppes "feinnervigen" und fantasievollen Reise-Essays in Urlaub. Die Welt lässt sich von Philip Manow die "Spaltungslinien" unserer Gesellschaft nachzeichnen. Die FAZ studiert Christoph Möllers' und Nils Weinbergs kluge Gedanken zum Verhältnis von Kunstfreiheit und staatlicher Förderung. Die SZ verschlingt Sandro Veronesis Roman "Schwarzer September", der als zärtliche Romanze beginnt und als düsterer Krimi endet.  Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Endlose Anmut

20.05.2026. Die Filmkritik ist weiterhin aus dem Häuschen über Sandra Wollners Cannes-Film "Everytime": critic.de erklärt den Film bereits jetzt zum Meisterwerk des Festivals. Die Welt träumt dank AFF Architekten von brutalistischen Schulen. In Venedig tut die russische Kunst derzeit friedfertig, so monopol, in St. Petersburg dagegen feuert eine martialische Propagandaaustellung aus allen Rohren. Olga Tokarcuk erklärt der polnischen Website My Company, weshalb sie KI für ein nützliches Tool beim Schreiben hält.  Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Das Wirken des Antichristen

20.05.2026. Der Guardian ist enttäuscht, dass die Labour-Hoffnung Andy Burnham eine Rücknahme des Brexit nicht diskutieren will. In der FR meint Richard Sennett: Die Briten wissen, dass er ein historischer Irrtum war, können aber nicht mehr zurück. Die SZ warnt vor einer "Antisemitismus-Epidemie" in Britannien, zu der auch die Green Party gehört. Die SZ dokumentiert Dan Diners Rede zur Ausstellungseröffnung des Archivs Salamander. Die FAZ skizziert Ideen, wie Urheberansprüche gegenüber dem Text-Mining der KI durchgesetzt werden können. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Der Plot ist Slob

19.05.2026. Was genau ist Kapitalismus, fragt The Nation und sucht nach Antwort in Sven Beckerts Globalgeschichte desselben. Wie Iran den Krieg gewann gegen die USA, erklärt Robert Kagan in Atlantic. In Elet es Irodalom sprechen der Künstler Károly Klimó und der Philosoph László F. Földényi über Zivilisation und Kultur. Die London Review vertieft sich in eine Geschichte des Sklavenhandels in der muslimischen Welt. New Lines notiert im Sudan, wie der Drohnenkrieg jede Verantwortung verschleiert. Mehr...

IM KINO

Amtliche Aufforderungen

18.05.2026. Hagai Levi verfilmt die Tagebücher Etty Hillesums und versetzt sie ins Amsterdam der Gegenwart. Trotz kleiner Längen ist ihm ein würdiges filmisches Denkmal für eine beeindruckende junge Frau gelungen, die es konsequent ablehnte, sich retten zu lassen, zu sehen in der Arte Mediathek.  Von Alice Fischer. Mehr...

VORWORTE

Diese Königin will keine Untertanen

18.05.2026. Dichter und Philosophen haben mit der Idee gerungen. Nun soll uns ausgerechnet ein Dienstmädchen vorleben, was Freiheit ist? Vorsicht, geschätzte Leserschaft: Catherine Guérards "Renata Wasweißich" tut das auf ungewohnte, zugleich bescheidene und ziemlich radikale Art - und zeigt nicht zuletzt auf, wie sich einem das eigene Denken dabei in den Weg stellen kann. Von Angela Schader. Mehr...

IM KINO

Aura der Hilflosigkeit

13.05.2026. Mehrmals stach der Mitschüler zu, sie überlebte knapp. Jahre später hat Daniela Magnani Hüller einen Film über die Tat gedreht, die ihr um ein Haar das Leben gekostet hätte. "Was an Empfindsamkeit bleibt" zeigt eine zersplitterte Welt, die sich nicht so einfach wieder zusammensetzen lässt. Von Robert Wagner. Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Lebensumstände, Unsicherheit, Sinnfragen etc.

12.05.2026. Einsamkeit ist keine Erkrankung, lehrte Prof. Dr. Mazda Adli, aber ein Modus, der Erkrankungen ermöglicht. Schuld ist der Kapitalismus. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, musste man sich einen Weg durch enorme Schneisen und Flächen bahnen und entkräftet auf einer puppenrosa Riesenmöblierung Platz nehmen. Aber die Neurowissenschaften boten Trost: Unser Hirn ist plastisch und lebenslänglich zu Veränderung bereit. Von Elke Schmitter. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Nacktheit der Verhältnisse

11.05.2026. Im Mai haben wir für Sie überwiegend ermunternde Lektüre zusammengestellt: David Vajda führt uns an der Seite einer exzentrischen Bohème-Familie von Berlin über die Provence nach Hollywood, Dana Grigorcea erzählt eine zarte Liebesgeschichte in der bukolischen Sommeridylle der rumänischen Karpaten, Judith Schalansky erschafft aus Marmor etwas fein Ziseliertes und Craig Brown sammelt die kuriosesten Anekdoten aus dem Leben der Queen. Ernste Töne schlagen Nicholas Potter an, der die autoritäre Linke aufs Korn nimmt, und Christoph Peters, der auf Entzug geht. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Mai. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

20 Jahre Zeitschrift für Ideengeschichte

11.05.2026. Die Zeitschrift für Ideengeschichte wird zwanzig Jahre alt! In einigen Tagen erscheint das Jubiläumsheft zum Thema "Türhüter". Es spürt der Autorität und den Mythen einer Grenzfigur nach, die auch beim Zeitschriftenmachen eine Rolle spielt, von Apostel Petrus an der Himmelspforte über das Vorzimmer im Kanzleramt bis in die Clubkultur. Wir freuen uns den Beitrag von Ralph Bollmann vorabdrucken zu dürfen: "Frau Baumann - Über den Zugang zur Kanzlerin". Mehr...

IM KINO

Kino als Klassenzimmer

06.05.2026. Der Menschheitsverbrecher und der Psychiater: James Vanderbilts "Nürnberg" erzählt die juristische Aufarbeitungen des Naziunrechts als Schauspielerduell. Mit historischen Schreckensbildern geht der Film dabei einigermaßen pragmatisch um. Von Lukas Foerster. Mehr...

ESSAY

Im Haifischbecken der Aufmerksamkeitsökonomie

06.05.2026. Reels sind merkwürdige Hybride, ein Bastard aus den Eigenschaften der oralen Kultur und der Schrift- und Druckkultur. Einerseits bedienen sie sich in der Rede oft rhetorischer Mittel, die man bereits seit der Antike kennt. Andererseits sind sie aufgezeichnet und damit fixiert - wiederholt rezipierbar wie ein Text. Einübung in die "tertiäre Oralität", am Beispiel der steuerpolitischen Kommunikation von Zohran Mamdani. Von Tilman Baumgärtel. Mehr...

FOTOLOT

Sinn für die menschliche Tragödie

05.05.2026. Das Genre der Fotoreportage ist populär und oft überschätzt. Aber es gibt tolle Ausnahmen. Am besten funktionieren Arbeiten wie die von Göran Gnaudschun oder Miron Zownir, die ohne direkt formuliertes Anliegen daher kommen und ihren Gegenstand erforschen. Einige interessante Ausstellungen laufen zur Zeit in Berlin, Köln und anderswo. Von Peter Truschner. Mehr...

TAGTIGALL

I am a happy woman

01.05.2026. Es war und ist ein Frühjahr der Meredith Monk. In Essen hat sie, die große Vokalartistin und Magierin, derzeit die Pina-Bausch-Professur inne, im März wurde sie von der Berliner Akademie der Künste mit dem Großen Kunstpreis geehrt und auf dem Festival "MaerzMusik" bestritt sie das diesjährige Auftaktkonzert. Wer dort war und sie in ihrem knallroten Harlekin-Anzug sah, erlebte, wie ihre Tanz-Stimm-Performances auch nach fünfzig Jahren faszinieren wie am ersten Tag. Von Marie Luise Knott. Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Mau empfiehlt Zirkuszelte

28.04.2026. Auf der Bühne sitzen an diesem Nachmittag zwei ehemalige Einzelhäftlinge aus Belarus. Sie heißen Maria Kolesnikowa und Maxim Znak. Sie war, vor ihrem Verschwinden in der Frauenstrafkolonie IK-4, für viele "das Gesicht" der belarussischen Opposition. Ein herzförmiges, ein geradezu strahlend herzliches Gesicht, das noch beim Prozess gegen sie, im Herbst 2021, zu leuchten schien vor Zuversicht und moralischer Klarheit. Nun sitzt sie da, weiß geworden unter der jahrelangen Tortur, die Lippen rot, das Lächeln unbegreiflich unverändert. Über das taz-Lab. Und über das Überleben mit Prada. Von Elke Schmitter. Mehr...

ESSAY

Kinder, wie die Zeit vergehen wird

07.04.2026. Der Horizont des Möglichen droht perspektivisch zum ersten Mal zu schrumpfen, weil unentwegt Tatsachen geschaffen werden, die den Spielraum des Gestaltbaren verengen und das Noch-nicht in ein Schon-weg verwandeln. Die Klimabeschlüsse des Bundesverfassungsgerichts und anderer Gerichte wollten diese Drift bekämpfen. Sie werden jetzt von einer Fraktion hintergangen werden, der es angeblich um die "Bewahrung der Schöpfung" zu tun ist. Mit Vladimir Jankélevitch und Peter Sloterdijk wäre zu fragen,  wann wir "imstande sein werden zu begreifen, auf welchen Festen wir uns in jüngeren, blinderen Jahren zerstreuten?" Von Daniele Dell'Agli. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

SPENDEN

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24.11.2021. Der Perlentaucher bietet seinen Service für die Leser kostenlos und möchte dabei bleiben. Falls Sie uns unterstützen mögen - regelmäßig oder einmalig - freuen wir uns! Hier finden Sie verschiedene Möglichkeiten. Mehr...

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