I am a happy woman

Es ist das Frühjahr der Meredith Monk: Mit Pina-Bausch-Professur, Großem Kunstpreis und der "MaerzMusik". Von Marie Luise Knott

IM KINO

Kein Film über ihn

13.05.2026. Andrea Segres neuer Film erzählt vom Versuch des Chefs der italienischen Kommunistischen Partei, eine Koalition mit progressiven Christdemokraten zu schmieden. "Enrico Berlinguer - La Grande Ambizione" schaut auf den ersten Blick nach einem verstaubten Biopic aus - ist aber in der Tat ein hochpolitisches und sehr aktuelles Werk.  Von Fabian Tietke. Mehr...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Situationship in der Ming-Dynastie

13.05.2026. Die FR empfiehlt Matthias Nawrats Roman "Das glückliche Schicksal" als wertvolle Vergegenwärtigung der polnischen Geschichte. Die Zeit blättert angeregt im Band "The Way Back" mit bisher unveröffentlichten Fotografien von Bruce DavidsonDlf lernt in Garth Greenwells Roman über den Krankenhausaufenthalt eines Dichters die Literatur als Medizin für den Körper in Extremsituationen kennen. Und Dlf Kultur entledigt sich mit Amanda Lee Koes unsterblichen Schlangenschwestern unliebsamer Männer.  Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Im Grunde ist egal, was passiert

13.05.2026. Viele große Namen in Cannes - aber der Eröffnungsfilm der Filmfestspiele, Pierre Salvadoris "La Vénus électrique" ist eine Pleite, findet die Zeit. Die stürzt sich außerdem mit dem neuen Ikkimel-Album "Poppstar" mit Volldampf in die Fotzenrap-Debatte. Die SZ verteidigt Maxim Biller nach dessen Zeit-Polemik: der Literaturwissenschaftler Steffen Martus habe tatsächlich einen blinden Fleck, wenn es um Texte jüdischer Autoren geht. Çağla Ilk, die neue Intendantin des Gorki-Theaters, stellt ihr Programm vor - viel Kunst, wenig klassische Bühnenstücke, lernt der TagesspiegelMehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

In den Konflikt gehen

13.05.2026. Im Interview mit der FAZ schmeichelt sich Jordan Bardella vom französischen Rassemblement National an die Regierung Merz und distanziert sich von der AfD. Politico erkennt darin eine größere Strategie: Bardella träumt von einer Achse Rom-Berlin-Paris. In der FR glaubt der Politikwissenschaftler Johannes Varwick an ein Ende des Ukrainekriegs, wenn man Russland mehr nachgibt. In der Zeit warnt der Anwalt Wolfgang Kaleck davor, das Völkerrecht als Utopie abzuschreiben. Die NZZ blickt seit dem Krieg um die Straße von Hormus mit Sorge auf Singapur. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Im Wesentlichen kontrapunktische Stimmen

12.05.2026. John Lanchester fragt in der LRB: Wohin ist die ganze Kohle verschwunden? Der Dichter Ernest Jesuyemi erinnert in Compact daran, dass es mal möglich war, widersprüchliche Emotionen in der Kunst auszuhalten. New Lines erzählt von dem Dichter, Politiker und Piraten Rahmah ibn Jabir, der im 16. Jahrhundert die Straße von Hormus belagerte. Joshua Cohen feiert in der Paris Review die Musikalität von Wolfgang Koeppens Prosa. In Wired erzählt die britische TV-Autorin Ruth Fowler, wie aus KI-Trainern Arbeitssklaven werden. Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Lebensumstände, Unsicherheit, Sinnfragen etc.

12.05.2026. Einsamkeit ist keine Erkrankung, lehrte Prof. Dr. Mazda Adli, aber ein Modus, der Erkrankungen ermöglicht. Schuld ist der Kapitalismus. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, musste man sich einen Weg durch enorme Schneisen und Flächen bahnen und entkräftet auf einer puppenrosa Riesenmöblierung Platz nehmen. Aber die Neurowissenschaften boten Trost: Unser Hirn ist plastisch und lebenslänglich zu Veränderung bereit. Von Elke Schmitter. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Nacktheit der Verhältnisse

11.05.2026. Im Mai haben wir für Sie überwiegend ermunternde Lektüre zusammengestellt: David Vajda führt uns an der Seite einer exzentrischen Bohème-Familie von Berlin über die Provence nach Hollywood, Dana Grigorcea erzählt eine zarte Liebesgeschichte in der bukolischen Sommeridylle der rumänischen Karpaten, Judith Schalansky erschafft aus Marmor etwas fein Ziseliertes und Craig Brown sammelt die kuriosesten Anekdoten aus dem Leben der Queen. Ernste Töne schlagen Nicholas Potter an, der die autoritäre Linke aufs Korn nimmt, und Christoph Peters, der auf Entzug geht. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Mai. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

20 Jahre Zeitschrift für Ideengeschichte

11.05.2026. Die Zeitschrift für Ideengeschichte wird zwanzig Jahre alt! In einigen Tagen erscheint das Jubuiläumsheft zum Thema "Türhüter". Es spürt der Autorität und den Mythen einer Grenzfigur nach, die auch beim Zeitschriftenmachen eine Rolle spielt, von Apostel Petrus an der Himmelspforte über das Vorzimmer im Kanzleramt bis in die Clubkultur. Wir freuen uns den Beitrag von Ralph Bollmann vorabdrucken zu dürfen: "Frau Baumann - Über den Zugang zur Kanzlerin". Mehr...

IM KINO

Wichtiger ist, was sein wird

08.05.2026. Auf das Fehlen einer nationalen Erzählung des Libanons reagiert die Essayfilmerin Lana Daher nicht, indem sie eine solche entwirft. Vielmehr wird ihr "Do You Love Me?" zu einem Archiv der Emotionen. Von Sebastian Markt. Mehr...

IM KINO

Kino als Klassenzimmer

06.05.2026. Der Menschheitsverbrecher und der Psychiater: James Vanderbilts "Nürnberg" erzählt die juristische Aufarbeitungen des Naziunrechts als Schauspielerduell. Mit historischen Schreckensbildern geht der Film dabei einigermaßen pragmatisch um. Von Lukas Foerster. Mehr...

ESSAY

Im Haifischbecken der Aufmerksamkeitsökonomie

06.05.2026. Reels sind merkwürdige Hybride, ein Bastard aus den Eigenschaften der oralen Kultur und der Schrift- und Druckkultur. Einerseits bedienen sie sich in der Rede oft rhetorischer Mittel, die man bereits seit der Antike kennt. Andererseits sind sie aufgezeichnet und damit fixiert - wiederholt rezipierbar wie ein Text. Einübung in die "tertiäre Oralität", am Beispiel der steuerpolitischen Kommunikation von Zohran Mamdani. Von Tilman Baumgärtel. Mehr...

FOTOLOT

Sinn für die menschliche Tragödie

05.05.2026. Das Genre der Fotoreportage ist populär und oft überschätzt. Aber es gibt tolle Ausnahmen. Am besten funktionieren Arbeiten wie die von Göran Gnaudschun oder Miron Zownir, die ohne direkt formuliertes Anliegen daher kommen und ihren Gegenstand erforschen. Einige interessante Ausstellungen laufen zur Zeit in Berlin, Köln und anderswo. Von Peter Truschner. Mehr...

TAGTIGALL

I am a happy woman

01.05.2026. Es war und ist ein Frühjahr der Meredith Monk. In Essen hat sie, die große Vokalartistin und Magierin, derzeit die Pina-Bausch-Professur inne, im März wurde sie von der Berliner Akademie der Künste mit dem Großen Kunstpreis geehrt und auf dem Festival "MaerzMusik" bestritt sie das diesjährige Auftaktkonzert. Wer dort war und sie in ihrem knallroten Harlekin-Anzug sah, erlebte, wie ihre Tanz-Stimm-Performances auch nach fünfzig Jahren faszinieren wie am ersten Tag. Von Marie Luise Knott. Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Mau empfiehlt Zirkuszelte

28.04.2026. Auf der Bühne sitzen an diesem Nachmittag zwei ehemalige Einzelhäftlinge aus Belarus. Sie heißen Maria Kolesnikowa und Maxim Znak. Sie war, vor ihrem Verschwinden in der Frauenstrafkolonie IK-4, für viele "das Gesicht" der belarussischen Opposition. Ein herzförmiges, ein geradezu strahlend herzliches Gesicht, das noch beim Prozess gegen sie, im Herbst 2021, zu leuchten schien vor Zuversicht und moralischer Klarheit. Nun sitzt sie da, weiß geworden unter der jahrelangen Tortur, die Lippen rot, das Lächeln unbegreiflich unverändert. Über das taz-Lab. Und über das Überleben mit Prada. Von Elke Schmitter. Mehr...

ESSAY

Kinder, wie die Zeit vergehen wird

07.04.2026. Der Horizont des Möglichen droht perspektivisch zum ersten Mal zu schrumpfen, weil unentwegt Tatsachen geschaffen werden, die den Spielraum des Gestaltbaren verengen und das Noch-nicht in ein Schon-weg verwandeln. Die Klimabeschlüsse des Bundesverfassungsgerichts und anderer Gerichte wollten diese Drift bekämpfen. Sie werden jetzt von einer Fraktion hintergangen werden, der es angeblich um die "Bewahrung der Schöpfung" zu tun ist. Mit Vladimir Jankélevitch und Peter Sloterdijk wäre zu fragen,  wann wir "imstande sein werden zu begreifen, auf welchen Festen wir uns in jüngeren, blinderen Jahren zerstreuten?" Von Daniele Dell'Agli. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

SPENDEN

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24.11.2021. Der Perlentaucher bietet seinen Service für die Leser kostenlos und möchte dabei bleiben. Falls Sie uns unterstützen mögen - regelmäßig oder einmalig - freuen wir uns! Hier finden Sie verschiedene Möglichkeiten. Mehr...

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