Keiner dreht sich um

Lena Karbes "Innere Emigranten" zeigt: Auch Russen in Psychotherapie wollen nicht über Krieg sprechen. Im Kino mit Lukas Pazzini

Hartmut in einem Nebensatz

Es geht den Bach runter, aber auch wieder rauf: Hartmut Rosa spricht an der FU über "Bürgerschaft und Demokratie". ein wort gibt das andere von Elke Schmitter

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Etwas Großes drängt ans Licht

16.07.2026. Die Zeit entdeckt dank Heinz Strunk die düstere Komik, die im Ende einer Beziehung stecken kann. Zur "Weltliteratur" erklärt sie Margaret Laurence' Roman "Glückliche Tage". Ein mutiges Buch annonciert der Dlf mit Christine Koschmieders "Ein Haus für mich", in dem sich die Autorin zur Selbstbefragung nach Dessau begibt. Die taz bewundert das Einfühlungsvermögen, mit dem Megan Nolan vom Leben im Irland der Siebziger erzählt. Und der Dlf Kultur lernt dank Björn Kröger, was sich unter dem Faulschlamm des Stechlinsees verbirgt. Mehr...

IM KINO

Keiner dreht sich um

16.07.2026. Es ist nicht leicht, herauszufinden, was die Menschen in Russland über den russischen Überfall auf die Ukraine denken. Lena Karbes "Innere Emigranten" stellt Psychologen ins Zentrum, deren Patienten mit ihnen über alles Mögliche sprechen wollen. Aber kaum einmal über den Krieg. Von Lukas Pazzini. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Drei Stunden Nicht-Identifikation

16.07.2026. Die Filmkritiker sind sich uneins über Christopher Nolans "Odyssee"-Verfilmung: Einen erfreulich nahe an Homer angelegten Horrortrip erlebt die SZ. Der Perlentaucher wird noch einmal an die vergangene Glorie Hollywoods erinnert. Die Welt vermisst allerdings den Sex. Der Guardian erkennt in einer Enid-Marx-Ausstellung, wie lang die Briten in der Tube unbemerkt auf Botschaften über afrikanische Kunst saßen. Die Zeit amüsiert sich in Essen mit Gustave Courbet, der sich auch mal als Leiche oder Forelle malte.  Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Freiheit gilt für jede Frau

16.07.2026. Kamel Daoud erklärt im Interview mit der NZZ, was die Linke falsch macht im Umgang mit dem Islam in Europa. Ägypten wird von einer Militärdiktatur regiert, erklärt der Aktivist Hossam el-Hamalawy in der FR, warum unterstützen es ausgerechnet Deutschland und Frankreich? Die SZ berichtet über die gescheiterte Wahlreform Giorgia Melonis, die FAZ über die antiukrainische Stimmung in Polen und die Zeit über ein Geheimtreffen deutscher Politiker mit russischen in Baku. Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Der Hartmut in einem Nebensatz

14.07.2026. An heißen Tagen kann man etwas Kühlendes lesen, Flaubert zum Besipiel. Man kann sich aber auch in die Rostlaube begeben und Hartmut Rosa bei einem Gespräch "zur Beziehung von Bürgerschaft und Demokratie" mit dem Peter und dem Stefan folgen. Klar, es geht den Bach runter. Dazu gibt es viele Daten. Aber es geht den Bach auch wieder rauf. Im Grunde war es so, wie es bei jeder Party ist, auf dem Balkon nach Mitternacht, wo die Raucher und die Nichtraucher am Ende eine Gemeinschaft bilden. Von Elke Schmitter. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Blaue Einhörner, zweibeinige Biber, geflügelte Humanoiden

14.07.2026. Le Monde schickt eine Reportage über die Homosexuellen im Senegal, die inzwischen auch vom Staat aufs Korn genommen werden. Die New York Times lernt: Nicht nur Hacker können Daten klauen, auch britische Einbrecher. Andererseits gibt es die chinesische Hackergruppe Volt Typhoon, die mindestens genauso geschickt ist, lernt Wired. Eurozine erkundet das rebellische Potential von Pop-Phänomenen in China. Der New Yorker stellt ein Buch über die amerikanischen Kulturkämpfe seit den 1980ern vor. Der Observer erinnert an ein hochbezirztes Vogue-Porträt der Assad-Ehefrau Asma. Die London Review bemüht sich um einen Termin beim Oba von Benin. Mehr...

ESSAY

Was lief schief mit Omer Bartov?

14.07.2026. Omer Bartov ist ein renommierter Holocaustforscher. Er missbraucht dieses Renommee, um seiner Polemik gegen Israel Gewicht zu verleihen und wird dafür verehrt - zuletzt in seinem Buch "Israel: What Went Wrong". Nur hält diese Polemik den wissenschaftlichen Kriterien, die er  in seinen historischen Büchern einst befolgte, überhaupt nicht stand. Sie behauptet, aber sie belegt nicht. Erkenntnisse aus vierzig Jahren Forschung zu Holocaust und Israel ignoriert Bartov. Und sein an Israel gerichteter Vorwurf der Empathielosigkeit fällt auf ihn selbst zurück. Von Jeffrey Herf. Mehr...

WO WIR NICHT SIND

Die Glühbirne hatte ein wenig gezögert

13.07.2026. Der slowakische Dichter Lukáš Cabala setzt mit "Denkst du noch an Trencin?" seinem Geburtsort ein Denkmal. Der surreal flirrende Roman ist voller Wurmlöcher und leuchtender Details, von Stefanie Bose kongenial ins Deutsche übersetzt. Wir treffen: vier Protagonisten und eine Stadt, die den einzig stabilen Grund in der Neondunkelheit der Gegenwart bildet. Von Benita Berthmann. Mehr...

INTERVENTION

Gegen die destruktiven Entwicklungen

10.07.2026. Die taz brachte neulich ein ganzes Antifa-Dossier, und darin einen Text, der von der eigenen Anständigkeit so betört war, dass er leider das Denken vergaß. Er sah die Menschlichkiet nur auf der einen Seite, der eigenen. Gegen diese Art von Glauben hilft nur eins: Ideen. Von Karl-Josef Pazzini, Lukas Pazzini. Mehr...

FOTOLOT

In der Weite des Felds

08.07.2026. Hans van der Meer sucht in seinem Fußballfotobuch "Torhüter - Von den Plätzen des europäischen Amateurfußballs" nicht die Athletik und Dynamik des Spiels, auch keine Legenden wie Maradona oder Zidane, sondern die Einsamkeit des Torhüters auf europäischen Bolzplätzen. Seine Arbeiten sind im Grunde Bilder einer spezifischen Form von europäischer Kulturlandschaft. Und der Sehnsucht nach sozialem Aufstieg. Von Peter Truschner. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Landschaften im Denken

06.07.2026. Noch heißer als die letzten Tage sind unsere neusten Lektüretipps: Farai Mudzwinga nimmt uns mit auf einen fiebrigen und wilden Ritt durch die Straßen von Harare. Petra Morsbach erkundet mit scharfem Blick die Büchermenschenwelt, Karine Tuil erzählt mit Biss und Witz vom Fall eines französischen Ex-Präsidenten und Hamza Abu Howidy schickt eine facettenreiche Innenansicht aus Gaza. Dies alles und mehr in unseren besten Büchern des Monats Juli. Mehr...

INTERVENTION

Herzingers Kassandrarufe

02.07.2026. Im Oktober letzten Jahres ist der Autor und Perlentaucher-Kolumnist Richard Herzinger im Alter von 69 Jahren gestorben. Heute erscheint der Band "Letztes Wort Freiheit" mit Essays Herzingers seit 1992. Es geht um Heiner Müller, deutsche Intellektuelle nach Srebrenica, den 11. September, Botho Strauß, die 68er, die RAF, die Gefahr des Rechtsextremismus, die Ukraine, - und viele andere Themen. Herzinger war mehr als ein Leitartikelschreiber - seine Essays gehören in die große Tradition antitotalitären Denkens. Aus den Essays bringen wir aus Anlass des Erscheinens einige Gedankensplitter, die zeigen, wie früh Herzinger jene Tendenzen benannte, denen die Demokratien heute zu erliegen drohen. Von Thierry Chervel, Richard Herzinger. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Bot-Attacken gegen den Perlentaucher

23.06.2026. Liebe Leserinnen, liebe Leser, der Perlentaucher wird zur Zeit  wie viele andere Internetseiten von Bots attackiert. Darum kann es passieren, dass unsere Seiten, obwohl sie von uns normal ausgeliefert werden, nicht erreichbar sind. Wir arbeiten an dem Problem. Mehr...

TAGTIGALL

Wiederholung - ein Erkundungsflug

22.06.2026. Poesie kann die "bequemen Polster linearer Erzählung wegschneiden" und die Dinge, auch die entferntesten, im Wiederholen bannen, sagte die Dichterin Lea Schneider auf dem diesjährigen Berliner Poesiefestival. Drei Künstlerinnen - Anne Carson, Mia You und Valzhyna Mort - zeigten, was die Kunst der Wiederholung vermag. Von Marie Luise Knott. Mehr...

INTERVENTION

Giftige Brühe

22.06.2026. "Ich habe mich entschieden, es einen Genozid zu nennen", sagte Ines Schwerdtner von der Linkspartei auf dem Parteitag. Die Delegierten jubelten. Dieser Satz verdient es, näher betrachtet zu werden. So wie Sally Rooneys Satz. "Die Befreiung Palästinas bedeutet die Befreiung der Welt." Israel wird zur Obsession - nicht nur der Linken: Im Hass auf Israel fusionieren die totaliären Ideen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

MIND THE GAP

Alle vier Jahrzeiten überstanden

22.06.2026. Der Perlentaucher und das "Toledo"-Programm des Deutschen Übersetzerfonds starten eine Zusammenarbeit. Der Perlentaucher wird auf die "Toledo"-Journale verweisen, in denen ÜbersetzerInnen über ihre Arbeit an ganz konkreten Büchern reflektieren. Und wir starten zusammen mit "Toledo" eine neue Kolumne - "Mind the Gap": Hier geht's ums Übersetzen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Den Start macht die Chinesisch-Übersetzerin Karin Betz: "Literaturübersetzung ist kein Rechenexempel, sie ist im besten Sinn unberechenbar." Von Karin Betz. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Helga Kurzchalia: Weltzeituhr

18.06.2026. In "Weltzeituhr" erzählt Helga Kurzchalia von den Siebziger- und Achtzigerjahren in Ostberlin und verwebt individuelle Erfahrungen mit dem Weltgeschehen: Eine junge Psychologin fühlt sich durch die gesellschaftlichen Verhältnisse in ihrer Freiheit eingeschränkt und fragt sich immer wieder, was normal ist und warum ihr das Normale oft so befremdlich vorkommt. Ist es ein Nachhall auf die Nazizeit? Oder ein Abbild der DDR mit ihren Normen und Zwängen, der gefühlten Enge? Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Jahrbuch Sexualitäten 2026

17.06.2026. Das "Jahrbuch Sexualitäten" ist ein jährlich erscheinendes Periodikum, das Fragen des Sexuellen in einem weiten Sinne thematisiert. Als Vorabdruck haben wir das von Jan Feddersen geführte Gespräch mit der österreichischen Grünen-Politikerin Faika El-Nagashi gewählt. Sie erzählt von ihren zwei Coming Outs - als Lesbe, nicht einfach etwa gegenüber ihrem Vater, und als queerkritische Feministin, die ihre Schwierigkeiten mit dem Sternchen hat. Erschreckend, wie groß der politische Druck auf die Szene ist, um einen bestimmten Begriff der Queerness durchzusetzen. Mehr...

INTERVENTION

Das rot-braune Phänomen

11.06.2026. Die republikanische Linke in Frankreich ist einst im Zeichen der Dreyfus-Affäre als ein anti-antisemitisches Lager entstanden.  Der Antisemit war der politische Gegner. Das hat sich verschoben. Ein großer Teil der Linken legt eine Judophobie an den Tag, die nicht einfach ein moralischer Fehler ist, sondern den Verlust des Bezugspunkts bedeutet, der ihrer Geschichte einen Sinn gab. Das führt zu einer Annäherung der Linken an den Faschismus, die die israelische Linke mit aller Kraft bekämpfen muss. Von Eva Illouz. Mehr...

ESSAY

Liebe, Rache, Algorithmus

05.06.2026. Microdramen erreichten in China vergangenes Jahr bereits knapp 700 Millionen Nutzer, auch in Nordamerika und Europa werden sie bereits produziert: Vulgäre Seifenopern fürs Smartphone, billig produziert - von Klick zu Klick geht es von einer grobschlächtigen Szene zur nächsten. Der gut situierten Großstädterin gefällt's: Die nächste Stufe der Industrialisierung des Erzählens ist erreicht. Von Tilman Baumgärtel. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

Beliebte Bücher

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