Eine Art von sozialem Vertrauen

Fünfzig Jahre Courage: Ein Abend in Berlin erinnerte an die berühmte feministische Zeitschrift. ein Wort gibt das andere von Elke Schmitter

Mal zart, mal roh

Bilder der Nacktheit bei der "Triennale der Photographie" in Hamburg: Im angloamerikanischen Raum wäre diese Ausstellung heute schlicht unmöglich zu realisieren. Fotolot von Peter Truschner

Helga Kurzchalia: Weltzeituhr

Vorgeblättert: Helga Kurzchalia erzählt von den Siebzigern und Achtzigern in Ostberlin und verwebt individuelle Erfahrungen mit dem Weltgeschehen.

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Mit sentimentaler Sachlichkeit

02.07.2026. Die taz blättert bewegt in einem Band mit deutsch-jüdischen Fotografien aus den 1930er Jahren. Die SZ betreibt Hochleistungshermeneutik in Emy Koopmans Roman über eine obsessive Liebe. Die FR gibt die Hoffnung auf Frieden im Sudan nicht auf mit Stella Gaitanos Roman "Eddos goldenes Lächeln". Und die Zeit erscheint heute mit kleiner Sommerbeilage: Das perfekte Sommerbuch ist für sie Jutta Persons Essay über Palmen. Mehr...

INTERVENTION

Herzingers Kassandrarufe

02.07.2026. Im Oktober letzten Jahres ist der Autor und Perlentaucher-Kolumnist Richard Herzinger im Alter von 69 Jahren gestorben. Heute erscheint der Band "Letztes Wort Freiheit" mit Essays Herzingers seit 1992. Es geht um Heiner Müller, deutsche Intellektuelle nach Srebrenica, den 11. September, Botho Strauß, die 68er, die RAF, die Gefahr des Rechtsextremismus, die Ukraine, - und viele andere Themen. Herzinger war mehr als ein Leitartikelschreiber - seine Essays gehören in die große Tradition antitotalitären Denkens. Aus den Essays bringen wir aus Anlass des Erscheinens einige Gedankensplitter, die zeigen, wie früh Herzinger jene Tendenzen benannte, denen die Demokratien heute zu erliegen drohen. Von Thierry Chervel, Richard Herzinger. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Mit der Präzision eines Kochs

02.07.2026. Überwältigt blickt die FAZ in Rosenheim auf Blut, Blitze und Riesenbrüste, die  ghanaische Filmplakatmaler auf alte Säcke gemalt haben. Die Zeit erkennt in London, was Frida Kahlo so unverwechselbar machte. Der Guardian staunt ebenfalls in London über die Mikro-Garnituren in den Gemälden von Ferdinand Georg Waldmüller. Die Welt amüsiert sich, wenn Intendant Aviel Cahn sich mit einem Riesenpenis von den Genfern Richtung Berlin verabschiedet. Und der Perlentaucher reist begeistert mit Aleksandre Koberidze und seinem Mobiltelefon durchs georgische Hinterland.  Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Ein teuflisches Dilemma

02.07.2026. Linke Kulturkritik hat Deutschland positiv verändert, aber heute ist der Kulturbetrieb so verknöchert, wie er früher war, meint in der FAZ der CDU-Politiker Rüdiger Kruse und skizziert als Gegenprogramm eine konservative Kulturpolitik. In der taz diagnostiziert der Menschenrechtsexperte John Stauffer einen Rechtsruck in Schweden. Der Tagesspiegel liest eine Studie der Soziologin Celine Teney zur Frage, warum so viele Menschen AfD wählen. Wir stehen heute vor vergleichbaren Herausforderungen wie die Weimarer Republik, ist der Historiker Eckart Conze im Interview mit der Zeit überzeugt. Mehr...

IM KINO

Am Ende des Kreises

01.07.2026. Mit seiner Umarmung der Unschärfe ist Aleksandre Koberidze "Dry Leaf" eine maximale cinephile Provokation im Zeitalter des HD-Kinos. Zwei Menschen, ein sichtbarer und ein unsichtbarer, begeben sich auf einen Road Trip zu georgischen Fußballplätzen. Von Jochen Werner. Mehr...

IM KINO

Du bist so'n Hero

01.07.2026. Delfine im Abenddämmer entschädigen für die Lücke im Lebenslauf: Markus Gollers Seenotrettungsfilm "23 000 Leben" ist mit Corinna Harfouch, Ulrich Matthes und Franka Potente stark besetzt. Und entpuppt sich der Film leider als ein reichlich gefühliges Stück Agit-Prop, der die Geschichte der Organisation "Jugend Rettet" auf eine persönliche Bewährungsprobe reduziert. Von Kamil Moll. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Vor seinem erhabenen Profil

30.06.2026. Eurozine lernt aus einer Studie, dass die Iraner immer atheistischer werden. Dekoder erklärt, warum die postsowjetischen Völker oft so genervt von den Russen sind. Lidove noviny erinnert an die große tschechische Schriftstellerin Věra Linhartová. Brooklyn Rail interviewt den Fotografen Thomas Demand. La Regle du Jeu versucht sich hübsch boshaft, Dominique de Villepin als Staatspräsident vorzustellen.In Elet es Irodalom wünschte sich der Autor Miklós Vámos etwas Selbstkritik von den Ungarn. New Lines beobachtet die Flamingorevolution in Albanien. Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Eine Art von sozialem Vertrauen

25.06.2026. Fünfzig Jahre Courage: Ein Abend in der Bar jeder Vernunft erinnerte an die berühmte feministische Zeitschrift. Und an einen Feminismus, in dem mehr die Rede von dem war, was gemeinsam erreicht werden kann als von partikularen Identitäten. Politik war mehr durch die Richtung bestimmt, in die man wollte, als von den Wurzeln, dem Hintergrund, der diskriminierenden Erfahrung. Von Elke Schmitter. Mehr...

FOTOLOT

Mal zart, mal roh

24.06.2026. Die "Triennale der Photographie" bietet einen Anlass zu melancholischer Reflexion über den Lauf der Zeit. Sabine Schnakenberg hat in der Ausstellung "Cocktail Prolongé" Bilder der Nacktheit aus der spektakulären Sammlung von F.C. Gundlach zusammengestellt - ein Who's who der Fotografie. Ich behaupte: Im angloamerikanischen Raum wäre diese Ausstellung heute schlicht unmöglich zu realisieren. Von Peter Truschner. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Bot-Attacken gegen den Perlentaucher

23.06.2026. Liebe Leserinnen, liebe Leser, der Perlentaucher wird zur Zeit  wie viele andere Internetseiten von Bots attackiert. Darum kann es passieren, dass unsere Seiten, obwohl sie von uns normal ausgeliefert werden, nicht erreichbar sind. Wir arbeiten an dem Problem. Mehr...

TAGTIGALL

Wiederholung - ein Erkundungsflug

22.06.2026. Poesie kann die "bequemen Polster linearer Erzählung wegschneiden" und die Dinge, auch die entferntesten, im Wiederholen bannen, sagte die Dichterin Lea Schneider auf dem diesjährigen Berliner Poesiefestival. Drei Künstlerinnen - Anne Carson, Mia You und Valzhyna Mort - zeigten, was die Kunst der Wiederholung vermag. Von Marie Luise Knott. Mehr...

INTERVENTION

Giftige Brühe

22.06.2026. "Ich habe mich entschieden, es einen Genozid zu nennen", sagte Ines Schwerdtner von der Linkspartei auf dem Parteitag. Die Delegierten jubelten. Dieser Satz verdient es, näher betrachtet zu werden. So wie Sally Rooneys Satz. "Die Befreiung Palästinas bedeutet die Befreiung der Welt." Israel wird zur Obsession - nicht nur der Linken: Im Hass auf Israel fusionieren die totaliären Ideen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

MIND THE GAP

Alle vier Jahrzeiten überstanden

22.06.2026. Der Perlentaucher und das "Toledo"-Programm des Deutschen Übersetzerfonds starten eine Zusammenarbeit. Der Perlentaucher wird auf die "Toledo"-Journale verweisen, in denen ÜbersetzerInnen über ihre Arbeit an ganz konkreten Büchern reflektieren. Und wir starten zusammen mit "Toledo" eine neue Kolumne - "Mind the Gap": Hier geht's ums Übersetzen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Den Start macht die Chinesisch-Übersetzerin Karin Betz: "Literaturübersetzung ist kein Rechenexempel, sie ist im besten Sinn unberechenbar." Von Karin Betz. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Helga Kurzchalia: Weltzeituhr

18.06.2026. In "Weltzeituhr" erzählt Helga Kurzchalia von den Siebziger- und Achtzigerjahren in Ostberlin und verwebt individuelle Erfahrungen mit dem Weltgeschehen: Eine junge Psychologin fühlt sich durch die gesellschaftlichen Verhältnisse in ihrer Freiheit eingeschränkt und fragt sich immer wieder, was normal ist und warum ihr das Normale oft so befremdlich vorkommt. Ist es ein Nachhall auf die Nazizeit? Oder ein Abbild der DDR mit ihren Normen und Zwängen, der gefühlten Enge? Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Jahrbuch Sexualitäten 2026

17.06.2026. Das "Jahrbuch Sexualitäten" ist ein jährlich erscheinendes Periodikum, das Fragen des Sexuellen in einem weiten Sinne thematisiert. Als Vorabdruck haben wir das von Jan Feddersen geführte Gespräch mit der österreichischen Grünen-Politikerin Faika El-Nagashi gewählt. Sie erzählt von ihren zwei Coming Outs - als Lesbe, nicht einfach etwa gegenüber ihrem Vater, und als queerkritische Feministin, die ihre Schwierigkeiten mit dem Sternchen hat. Erschreckend, wie groß der politische Druck auf die Szene ist, um einen bestimmten Begriff der Queerness durchzusetzen. Mehr...

INTERVENTION

Das rot-braune Phänomen

11.06.2026. Die republikanische Linke in Frankreich ist einst im Zeichen der Dreyfus-Affäre als ein anti-antisemitisches Lager entstanden.  Der Antisemit war der politische Gegner. Das hat sich verschoben. Ein großer Teil der Linken legt eine Judophobie an den Tag, die nicht einfach ein moralischer Fehler ist, sondern den Verlust des Bezugspunkts bedeutet, der ihrer Geschichte einen Sinn gab. Das führt zu einer Annäherung der Linken an den Faschismus, die die israelische Linke mit aller Kraft bekämpfen muss. Von Eva Illouz. Mehr...

FOTOLOT

Das reale Blut

10.06.2026. Gibt es eine Refeudalisierung in der Kunst? Anschließend an meine Kolumne zu Martin Warnkes Geschichte der "Hofkünstler"stellt sich die Frage, wie Macht und Kunst sich heute organisieren. Nehmen wir die "Rebellin" Florentina Holzinger, die den größten Hype auf der Biennale Venedig erzeugte - vertreten wird sie aber von einer jener Galerien, die die heute so typische Mischung aus VIP-Lounge und markenorientiertem Fertigungsbetrieb betreibt. Das heißt nicht, dass einige ihrer Arbeiten nicht großartig sind. Von Peter Truschner. Mehr...

WO WIR NICHT SIND

Lust auf Veränderung?

09.06.2026. Kuba liegt erschöpft am Boden. Die privilegierten Enkel der Revolution bringen ihre Reichtümer in Sicherheit, die normalen Menschen können selbst von Eintopf mit Schweinsfüßen nur noch träumen. In Leonardo Paduras jüngstem Roman "Anständige Leute" liegt noch Hoffnung in der Luft, und doch zeichnet er das treffende Porträt eines ausgelaugten Landes, das Hoffnung nicht mehr aus sich selbst heraus schöpfen kann. Von Thekla Dannenberg. Mehr...

ESSAY

Liebe, Rache, Algorithmus

05.06.2026. Microdramen erreichten in China vergangenes Jahr bereits knapp 700 Millionen Nutzer, auch in Nordamerika und Europa werden sie bereits produziert: Vulgäre Seifenopern fürs Smartphone, billig produziert - von Klick zu Klick geht es von einer grobschlächtigen Szene zur nächsten. Der gut situierten Großstädterin gefällt's: Die nächste Stufe der Industrialisierung des Erzählens ist erreicht. Von Tilman Baumgärtel. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

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