Mal zart, mal roh

Bilder der Nacktheit bei der "Triennale der Photographie" in Hamburg: Im angloamerikanischen Raum wäre diese Ausstellung heute schlicht unmöglich zu realisieren. Fotolot von Peter Truschner

Alle vier Jahrzeiten

Die neue Übersetzer-Kolumne mit "Toledo": Wir starten mit Chinesisch-Übersetzerin Karin Betz. Mind the gap

Helga Kurzchalia: Weltzeituhr

Vorgeblättert: Helga Kurzchalia erzählt von den Siebzigern und Achtzigern in Ostberlin und verwebt individuelle Erfahrungen mit dem Weltgeschehen.

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Von Jesus über Klarna bis zum Tod

29.06.2026. Die FR lernt von Wolodymyr Jermolenko, was wir Europäer von der Ukraine lernen können: Kämpfen - sonst landen wir nämlich auf dem "Friedhof des Guten". Die NZZ lernt in Raimund Schulz' "Odysseus": Der Listenreiche war ein Boomer. Und selbstverständlich ein Kolonisator.  Die SZ muss in einem Buch über Elisabeth Schwarzhaupt erfahren, dass sie nicht nur der erste Gesundheitsminister, sondern auch ein Herr war - denn Adenauer wollte nicht gendern. Und nochmals die NZZ lässt sich mit Monika Maron nicht unterkriegen. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Die blutig dargereichten Herzen

29.06.2026. Lena Schätte gewinnt den Bachmannpreis und den Publikumspreis mit einem Text über die Demütigungen, die dicke Menschen selbst von ihrer Familie erfahren: Die Kritiker sind begeistert. Dass der Wettbewerb insgesamt von fantasiebefreiter Autofiktion geprägt war, lässt sie aber doch seufzen. Die taz  porträtiert die Sängerin Parastoo Ahmadi, die zu 74 Peitschenhieben verurteilt wurde. Es funktioniert erstaunlich gut, den Comedian Bülent Ceylan in der "Entführung aus dem Serail" auftreten zu lassen, wundert sich die FAZ. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Der Postliberalismus sei das Authentische

29.06.2026. Rette sich, wer kann (möglichst aber mit Klimaanlage): Auf die "dunkle Aufklärung" der schwadronierenden Tech-Milliardäre folgt nun ein "dunkler Sozialismus" in der Version des japanischen Marxisten Kohei Saito, informiert die Welt. Wortreich breitet Eva Menasse in republik.ch aus, was sie in Deutschland alles nicht sagen darf. In der Zeit hält der Neuköllner Noch-Bürgermeister Martin Hikel fest: Religion und Staat zu trennen, ist kein Rassismus.  Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Eine Art von sozialem Vertrauen

25.06.2026. Fünfzig Jahre  Courage: Ein Abend in der Bar jeder Vernunft erinnerte an die berühmte feministische Zeitschrift. Und an einen Feminismus, in dem mehr die Rede von dem war, was gemeinsam erreicht werden kann als von partikularen Identitäten. Politik war mehr durch die Richtung bestimmt, in die man wollte, als von den Wurzeln, dem Hintergrund, der diskriminierenden Erfahrung. Von Elke Schmitter. Mehr...

IM KINO

Die vier Träume des Deliranten

24.06.2026. Vier Träume, die sechs Sinnesgrundlagen des Buddhismus und dann auch noch einen Berg an filmhistorischen Verweisen: Bi Gans Science-Fiction-Epos "Resurrection" will viel, ist ausgesprochen elegant erzählt und nur gelegentlich etwas überladen. Von Fabian Tietke. Mehr...

FOTOLOT

Mal zart, mal roh

24.06.2026. Die "Triennale der Photographie" bietet einen Anlass zu melancholischer Reflexion über den Lauf der Zeit. Sabine Schnakenberg hat in der Ausstellung "Cocktail Prolongé" Bilder der Nacktheit aus der spektakulären Sammlung von F.C. Gundlach zusammengestellt - ein Who's who der Fotografie. Ich behaupte: Im angloamerikanischen Raum wäre diese Ausstellung heute schlicht unmöglich zu realisieren. Von Peter Truschner. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Bot-Attacken gegen den Perlentaucher

23.06.2026. Liebe Leserinnen, liebe Leser, der Perlentaucher wird zur Zeit  wie viele andere Internetseiten von Bots attackiert. Darum kann es passieren, dass unsere Seiten, obwohl sie von uns normal ausgeliefert werden, nicht erreichbar sind. Wir arbeiten an dem Problem. Mehr...

IM KINO

Nicht zähmbarer Schrecken

23.06.2026. Erst traut sich Bear nicht, Nikki seine Liebe gestehen. Als sie trotzdem seine Freundin wird, verwandelt sie sich in das groteske Abbild seiner Begierde. Curry Bakers Überraschungshit "Obsession - Du sollst mich lieben" kommt nie zur Ruhe und ist ein wunderbares Stück Horrorkino. Von Karsten Munt. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Das Letzte, was man im Leben schreibt

22.06.2026. In Eurozine erklärt der ukrainische Autor und Soldat Artur Dron, was Literatur gerade im Krieg vermag. Zur heutigen Pantheonisierung bringt Le Grand Continent einen Text von Carlo Ginzburg über Marc Bloch. New Lines lernt aus einer Münzsammlung im British Museum von der glorreichen Geschichte Afghanistans. Der New Yorker kassiert mit einem Repo-Man unbezahlte Autos ein. Der indische Autor Amit Chaudhuri spürt in The Point dem Fremden in den Fotografien Ljubodrag Andrics nach. Mehr...

TAGTIGALL

Wiederholung - ein Erkundungsflug

22.06.2026. Poesie kann die "bequemen Polster linearer Erzählung wegschneiden" und die Dinge, auch die entferntesten, im Wiederholen bannen, sagte die Dichterin Lea Schneider auf dem diesjährigen Berliner Poesiefestival. Drei Künstlerinnen - Anne Carson, Mia You und Valzhyna Mort - zeigten, was die Kunst der Wiederholung vermag. Von Marie Luise Knott. Mehr...

INTERVENTION

Giftige Brühe

22.06.2026. "Ich habe mich entschieden, es einen Genozid zu nennen", sagte Ines Schwerdtner von der Linkspartei auf dem Parteitag. Die Delegierten jubelten. Dieser Satz verdient es, näher betrachtet zu werden. So wie Sally Rooneys Satz. "Die Befreiung Palästinas bedeutet die Befreiung der Welt." Israel wird zur Obsession - nicht nur der Linken: Im Hass auf Israel fusionieren die totaliären Ideen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

MIND THE GAP

Alle vier Jahrzeiten überstanden

22.06.2026. Der Perlentaucher und das "Toledo"-Programm des Deutschen Übersetzerfonds starten eine Zusammenarbeit. Der Perlentaucher wird auf die "Toledo"-Journale verweisen, in denen ÜbersetzerInnen über ihre Arbeit an ganz konkreten Büchern reflektieren. Und wir starten zusammen mit "Toledo" eine neue Kolumne - "Mind the Gap": Hier geht's ums Übersetzen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Den Start macht die Chinesisch-Übersetzerin Karin Betz: "Literaturübersetzung ist kein Rechenexempel, sie ist im besten Sinn unberechenbar." Von Karin Betz. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Helga Kurzchalia: Weltzeituhr

18.06.2026. In "Weltzeituhr" erzählt Helga Kurzchalia von den Siebziger- und Achtzigerjahren in Ostberlin und verwebt individuelle Erfahrungen mit dem Weltgeschehen: Eine junge Psychologin fühlt sich durch die gesellschaftlichen Verhältnisse in ihrer Freiheit eingeschränkt und fragt sich immer wieder, was normal ist und warum ihr das Normale oft so befremdlich vorkommt. Ist es ein Nachhall auf die Nazizeit? Oder ein Abbild der DDR mit ihren Normen und Zwängen, der gefühlten Enge? Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Jahrbuch Sexualitäten 2026

17.06.2026. Das "Jahrbuch Sexualitäten" ist ein jährlich erscheinendes Periodikum, das Fragen des Sexuellen in einem weiten Sinne thematisiert. Als Vorabdruck haben wir das von Jan Feddersen geführte Gespräch mit der österreichischen Grünen-Politikerin Faika El-Nagashi gewählt. Sie erzählt von ihren zwei Coming Outs - als Lesbe, nicht einfach etwa gegenüber ihrem Vater, und als queerkritische Feministin, die ihre Schwierigkeiten mit dem Sternchen hat. Erschreckend, wie groß der politische Druck auf die Szene ist, um einen bestimmten Begriff der Queerness durchzusetzen. Mehr...

INTERVENTION

Das rot-braune Phänomen

11.06.2026. Die republikanische Linke in Frankreich ist einst im Zeichen der Dreyfus-Affäre als ein anti-antisemitisches Lager entstanden.  Der Antisemit war der politische Gegner. Das hat sich verschoben. Ein großer Teil der Linken legt eine Judophobie an den Tag, die nicht einfach ein moralischer Fehler ist, sondern den Verlust des Bezugspunkts bedeutet, der ihrer Geschichte einen Sinn gab. Das führt zu einer Annäherung der Linken an den Faschismus, die die israelische Linke mit aller Kraft bekämpfen muss. Von Eva Illouz. Mehr...

FOTOLOT

Das reale Blut

10.06.2026. Gibt es eine Refeudalisierung in der Kunst? Anschließend an meine Kolumne zu Martin Warnkes Geschichte der "Hofkünstler"stellt sich die Frage, wie Macht und Kunst sich heute organisieren. Nehmen wir die "Rebellin" Florentina Holzinger, die den größten Hype auf der Biennale Venedig erzeugte - vertreten wird sie aber von einer jener Galerien, die die heute so typische Mischung aus VIP-Lounge und markenorientiertem Fertigungsbetrieb betreibt. Das heißt nicht, dass einige ihrer Arbeiten nicht großartig sind. Von Peter Truschner. Mehr...

WO WIR NICHT SIND

Lust auf Veränderung?

09.06.2026. Kuba liegt erschöpft am Boden. Die privilegierten Enkel der Revolution bringen ihre Reichtümer in Sicherheit, die normalen Menschen können selbst von Eintopf mit Schweinsfüßen nur noch träumen. In Leonardo Paduras jüngstem Roman "Anständige Leute" liegt noch Hoffnung in der Luft, und doch zeichnet er das treffende Porträt eines ausgelaugten Landes, das Hoffnung nicht mehr aus sich selbst heraus schöpfen kann. Von Thekla Dannenberg. Mehr...

ESSAY

Liebe, Rache, Algorithmus

05.06.2026. Microdramen erreichten in China vergangenes Jahr bereits knapp 700 Millionen Nutzer, auch in Nordamerika und Europa werden sie bereits produziert: Vulgäre Seifenopern fürs Smartphone, billig produziert - von Klick zu Klick geht es von einer grobschlächtigen Szene zur nächsten. Der gut situierten Großstädterin gefällt's: Die nächste Stufe der Industrialisierung des Erzählens ist erreicht. Von Tilman Baumgärtel. Mehr...

VORWORTE

Diese Königin will keine Untertanen

18.05.2026. Dichter und Philosophen haben mit der Idee gerungen. Nun soll uns ausgerechnet ein Dienstmädchen vorleben, was Freiheit ist? Vorsicht, geschätzte Leserschaft: Catherine Guérards "Renata Wasweißich" tut das auf ungewohnte, zugleich bescheidene und ziemlich radikale Art - und zeigt nicht zuletzt auf, wie sich einem das eigene Denken dabei in den Weg stellen kann. Von Angela Schader. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...