Hort der Hemmungen

Kirk Jones' Biopic "Verdammt normal" über ein Leben mit Tourette-Syndrom hat Witz. Im Kino mit Robert Wagner

Lebensumstände

Einsamkeit ist keine Erkrankung, aber ein Modus, der Erkrankungen ermöglicht. Ein Wort gibt das andere von Elke Schmitter

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Das perfekte dunkle Gegenstück

03.06.2026. Die FAZ lässt sich von Heike Geißlers "Michaela Kohlhaas" zum Widerstand gegen den Alltag inspirieren. Außerdem ist sie tief beeindruckt von Gharbi M. Mustafas Memoir "Wenn Berge weinen", das poetisch-lakonisch die Geschichte des irakischen Kurden Hamko erzählt. Die Zeit ist voll des Lobes für Lilli Tollkiens Debütroman "Mit beiden Händen den Himmel stützen", der die düsteren Seiten einer linken WG im Berlin der Achtziger beleuchtet. Dlf Kultur vertieft sich in das neue Buch von Francis Fukuyama und genießt einen literarischen Snack von Philipp SchönthalerMehr...

IM KINO

Wenig Geld und keine Anerkennung

03.06.2026. Den Unsichtbaren dieser Gesellschaft widmet sich Kilian Armando Friedrich in seinem eindrücklichen Debütfilm "Ich verstehe Ihren Unmut". Im Zentrum steht Heike, die als Objektleiterin bei einer Reinigungsfirma angestellt und mit ihren Kräften am Ende ist. Von Alice Fischer. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Pommes frites für alle

03.06.2026. Die Feuilletons debattieren weiter über die Nacktszene von Nastassja Kinski im Wenders-Film "Falsche Bewegung": Man sollte die Szene nicht einfach herausschneiden, als wäre nichts passiert, findet die SZ, die Zeit erkennt in Wenders' Reaktion das abscheuliche Verhalten von Männern in Machtpositionen. Die SZ schwärmt außerdem von der Popmusikerin Sofia Isella, die gegen männliche geistige Tiefflieger ansingt. Renoir hielt hingegen gar nichts vom Kampf der Geschlechter, erkennt die NZZ in zwei Ausstellungen in Paris. Geradezu "grenzsprengend" findet die Welt, wie Sebastian Baumgarten in Köln die Bombenangriffe der Alliierten auf Deutschland inszeniert. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Tanzen auf zwei Hochzeiten

03.06.2026. Die Zeit blickt nach Armenien, wo am Samstag gewählt wird und Putin kräftig mitmischt. In der SZ fürchtet der ukrainische Schriftsteller Sergey Maidukov, dass der von den Russen gesäte Hass die ukrainische Gesellschaft vergiftet. In der Welt kritisiert der Althistoriker Michael Sommer die Abhängigkeit von Drittmitteln an deutschen Universitäten.In der Zeit hält der italienische Philosoph Angelo Bolaffi die Rede vom "Faschismus" für einen "Popanz der Linken". Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Was hast du da nur angerichtet, Edelfeder?

02.06.2026. Nach Putin wird es ein russisches Game of Thrones geben, weiß Istories, denn rivalisierende Clans bringen sich bereits in Stellung. Die LRB staunt derweil, wieviele verschiedene Ideologien unter Putin florieren dürfen, solange es nur gegen den Westen geht. Respekt weiß, warum der tschechische Premier Andrej Babiš ganz auf Longevity setzt. HVG und Elet es Irodalom träumen von einem Ungarn, in dem Partizipation und Medienfreiheit herrschen. Nehmt euch in acht vor hitzebeständigen Mikrobiomen, warnt der New Yorker: Sie sind überall. Newlines überwindet die Trennung von Mensch und Natur durch altarabische Dschahili-DichtungMehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Kampf und Kommunikation

01.06.2026. In seiner Droysen-Lecture setzte Andreas Wirsching Geschichtswissenschaft und Gegenwart in Beziehung und nahm dabei drei große Vorgänger unter die Lupe: Thomas Macaulay, Jules Michelet und Heinrich von Treitschke. An dieser Stelle wurde mir die Vorgeschichte meines "Gefühls für Geschichte" schlagartig erhellt, und ich fragte mich, wie einst als Kind: Was hat das mit meinem letzten Weihnachtsgeschenk, dem schimmernden Nicky mit Feinrippbund zu tun? Von Elke Schmitter. Mehr...

IM KINO

Hort der Hemmungen

27.05.2026. John Davidson hat sein Leben der Aufklärung über das Tourette-Syndrom gewidmet, unter dem er leidet. Auch "Verflucht normal", das von Kirk Jones inszenierte Biopic über sein Leben, hat eine pädagogische Schlagseite - und ist gleichzeitig ziemlich komisch. Von Robert Wagner. Mehr...

TASCHENBÜCHERBRIEF

Taschenbücherbrief Mai 2026

26.05.2026. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Im Mai mit Empfehlungen zu David Wagner, Gabriele Tergit, Monika Zeiner einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucher Arnim Eisenhut. Von Arnim Eisenhut. Mehr...

FOTOLOT

Vom Feudalismus zum Neofeudalismus

26.05.2026. Kunsthandel. Kulturattaché. Stipendien. Kunstakademien. Künstlerhäuser. Mobilität. Kein Exklusivrecht auf ein Werk. Größtmögliche künstlerische Autonomie bei der Produktion. Man reibt sich verblüfft die Augen und muss sich nach der Neulektüre von Martin Warnkes neu edierten Buch über Hofkünstler eingestehen, dass die eine oder andere Überzeugung in Bezug auf die europäische Kunstgeschichte revidiert werden muss. Von Peter Truschner. Mehr...

VORWORTE

Diese Königin will keine Untertanen

18.05.2026. Dichter und Philosophen haben mit der Idee gerungen. Nun soll uns ausgerechnet ein Dienstmädchen vorleben, was Freiheit ist? Vorsicht, geschätzte Leserschaft: Catherine Guérards "Renata Wasweißich" tut das auf ungewohnte, zugleich bescheidene und ziemlich radikale Art - und zeigt nicht zuletzt auf, wie sich einem das eigene Denken dabei in den Weg stellen kann. Von Angela Schader. Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Lebensumstände, Unsicherheit, Sinnfragen etc.

12.05.2026. Einsamkeit ist keine Erkrankung, lehrte Prof. Dr. Mazda Adli, aber ein Modus, der Erkrankungen ermöglicht. Schuld ist der Kapitalismus. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, musste man sich einen Weg durch enorme Schneisen und Flächen bahnen und entkräftet auf einer puppenrosa Riesenmöblierung Platz nehmen. Aber die Neurowissenschaften boten Trost: Unser Hirn ist plastisch und lebenslänglich zu Veränderung bereit. Von Elke Schmitter. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

20 Jahre Zeitschrift für Ideengeschichte

11.05.2026. Die Zeitschrift für Ideengeschichte wird zwanzig Jahre alt! In einigen Tagen erscheint das Jubiläumsheft zum Thema "Türhüter". Es spürt der Autorität und den Mythen einer Grenzfigur nach, die auch beim Zeitschriftenmachen eine Rolle spielt, von Apostel Petrus an der Himmelspforte über das Vorzimmer im Kanzleramt bis in die Clubkultur. Wir freuen uns den Beitrag von Ralph Bollmann vorabdrucken zu dürfen: "Frau Baumann - Über den Zugang zur Kanzlerin". Mehr...

ESSAY

Im Haifischbecken der Aufmerksamkeitsökonomie

06.05.2026. Reels sind merkwürdige Hybride, ein Bastard aus den Eigenschaften der oralen Kultur und der Schrift- und Druckkultur. Einerseits bedienen sie sich in der Rede oft rhetorischer Mittel, die man bereits seit der Antike kennt. Andererseits sind sie aufgezeichnet und damit fixiert - wiederholt rezipierbar wie ein Text. Einübung in die "tertiäre Oralität", am Beispiel der steuerpolitischen Kommunikation von Zohran Mamdani. Von Tilman Baumgärtel. Mehr...

FOTOLOT

Sinn für die menschliche Tragödie

05.05.2026. Das Genre der Fotoreportage ist populär und oft überschätzt. Aber es gibt tolle Ausnahmen. Am besten funktionieren Arbeiten wie die von Göran Gnaudschun oder Miron Zownir, die ohne direkt formuliertes Anliegen daher kommen und ihren Gegenstand erforschen. Einige interessante Ausstellungen laufen zur Zeit in Berlin, Köln und anderswo. Von Peter Truschner. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...