Keiner dreht sich um

Lena Karbes "Innere Emigranten" zeigt: Auch Russen in Psychotherapie wollen nicht über Krieg sprechen. Im Kino mit Lukas Pazzini

Was lief schief mit Omer Bartov?

Omer Bartov ist ein renommierter Holocaustforscher. Er missbraucht dieses Renommee, um seiner Polemik gegen Israel Gewicht zu verleihen und wird dafür verehrt. Nur hält diese Polemik wissenschaftlichen Kriterien nicht stand. Von Jeffrey Herf

Mit kindlicher Demut

Das notorisch weihevolle Kino Christopher Nolans findet mit der "Odyssee" endlich den Stoff, der zu ihm passt. Im Kino mit Kamil Moll

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Tauchgang in die Unterwelt

20.07.2026. Die FR liest die Lyrik der rumänischen Dichterin Dana Ranga atemlos wie einen Thriller. Die taz ist schockiert angesichts Francis Dupuis-Déris Buch über den Mord von Louis Althusser an seiner Frau Hélène Legotien, den die französischen Intellektuellen verharmlosten. Die SZ studiert Bücher zum Thema Staatsräson von Kai Ambos und Fabian Goldmann. Dlf Kultur gründet mit Maria Reva "Ein Königreich für eine Schnecke". Dlf geht mit Martin Muser auf Glücksuche im Westberlin der späten 1980er Jahre. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Ein System besonnter Scheiben

20.07.2026. Die Kontroverse um Danger Dan, Igor Levit und das ZDF geht weiter: Die taz sieht in dem Song "Keine Angst" keinen Aufruf zur Gewalt, die FAZ ist genervt vom Drama. Auf den Wormser Nibelungenfestspielen können die Kritiker lernen, was mit Kriemhild am Hof der Hunnen passiert ist, allerdings mit etwas zu viel Soap-Feeling. Die taz lernt die rätselumwobene Designerin Madame Grès kennen. Die Zeit ärgert sich darüber, wie unausgewogen über Dark Romance-Bücher diskutiert wird. Die FAZ lässt sich von Thomas Demands Fotos von Bühnenmodellen verzaubern. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Die von uns gemachten Regeln

20.07.2026. Das Vertrauen der Europäer in die Nato war ein Maginot-Linie-Denken, konstatiert Ivan Krastev in der NZZ - aber die Zeit der Kriege war nie vorbei. Der Rücktritt Jens Spahns als Fraktionsvorsitzender der CDU ist richtig, finden die meisten Zeitungen. Der Holocaust lässt sich nicht aus dem Kolonialismus erklären, insistiert Richard Evans in der NZZ. In der SZ erklärt Matthias Brandt seinen Abscheu vor Uwe Steimles Stauffenberg-Vergleichen. Wenn die Nazis bei Sachsens Jugend wieder en vogue sind, liegt das auch am Bildungssystem, sagt die Autorin Manuela Müller im Tagesspiegel. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Leseprobe 2 zu H. G. Adler: Der verwaltete Mensch

17.07.2026. 1958 lud das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) H. G. Adler ein, "eine Arbeit nach eigener Wahl" aus seinem deutsch-jüdischen "Themenkreis" zu verfassen. Daraus entstand "Der verwaltete Mensch", ein Grundlagenwerk zu Rolle der deutschen Bürokratie bei der Verschleppung der Juden. Warum das IfZ damals diese Arbeit ablehnte, lesen Sie im zweiten Teil des Vorworts von Götz Aly. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

H. G. Adler: Der verwaltete Mensch

17.07.2026. H. G. Adler veröffentlichte mit "Der verwaltete Mensch" ein grundlegendes Großwerk zum Holocaust, das die Rolle der Bürokratie bei der Vorbereitung und Umsetzung der Verschleppung und massenhaften Ermordung der Juden im Nationalsozialismus beschreibt. Im ersten Teil seines Vorworts zu dem Buch stellt der Historiker Götz Aly den 1910 in Prag geborenen Autor vor, der seine ganze Familie im Holocaust verlor. Mehr...

IM KINO

Keiner dreht sich um

16.07.2026. Es ist nicht leicht, herauszufinden, was die Menschen in Russland über den russischen Überfall auf die Ukraine denken. Lena Karbes "Innere Emigranten" stellt Psychologen ins Zentrum, deren Patienten mit ihnen über alles Mögliche sprechen wollen. Aber kaum einmal über den Krieg. Von Lukas Pazzini. Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Der Hartmut in einem Nebensatz

14.07.2026. An heißen Tagen kann man etwas Kühlendes lesen, Flaubert zum Besipiel. Man kann sich aber auch in die Rostlaube begeben und Hartmut Rosa bei einem Gespräch "zur Beziehung von Bürgerschaft und Demokratie" mit dem Peter und dem Stefan folgen. Klar, es geht den Bach runter. Dazu gibt es viele Daten. Aber es geht den Bach auch wieder rauf. Im Grunde war es so, wie es bei jeder Party ist, auf dem Balkon nach Mitternacht, wo die Raucher und die Nichtraucher am Ende eine Gemeinschaft bilden. Von Elke Schmitter. Mehr...

ESSAY

Was lief schief mit Omer Bartov?

14.07.2026. Omer Bartov ist ein renommierter Holocaustforscher. Er missbraucht dieses Renommee, um seiner Polemik gegen Israel Gewicht zu verleihen und wird dafür verehrt - zuletzt in seinem Buch "Israel: What Went Wrong". Nur hält diese Polemik den wissenschaftlichen Kriterien, die er  in seinen historischen Büchern einst befolgte, überhaupt nicht stand. Sie behauptet, aber sie belegt nicht. Erkenntnisse aus vierzig Jahren Forschung zu Holocaust und Israel ignoriert Bartov. Und sein an Israel gerichteter Vorwurf der Empathielosigkeit fällt auf ihn selbst zurück. Von Jeffrey Herf. Mehr...

WO WIR NICHT SIND

Die Glühbirne hatte ein wenig gezögert

13.07.2026. Der slowakische Dichter Lukáš Cabala setzt mit "Denkst du noch an Trencin?" seinem Geburtsort ein Denkmal. Der surreal flirrende Roman ist voller Wurmlöcher und leuchtender Details, von Stefanie Bose kongenial ins Deutsche übersetzt. Wir treffen: vier Protagonisten und eine Stadt, die den einzig stabilen Grund in der Neondunkelheit der Gegenwart bildet. Von Benita Berthmann. Mehr...

INTERVENTION

Gegen die destruktiven Entwicklungen

10.07.2026. Die taz brachte neulich ein ganzes Antifa-Dossier, und darin einen Text, der von der eigenen Anständigkeit so betört war, dass er leider das Denken vergaß. Er sah die Menschlichkiet nur auf der einen Seite, der eigenen. Gegen diese Art von Glauben hilft nur eins: Ideen. Von Karl-Josef Pazzini, Lukas Pazzini. Mehr...

FOTOLOT

In der Weite des Felds

08.07.2026. Hans van der Meer sucht in seinem Fußballfotobuch "Torhüter - Von den Plätzen des europäischen Amateurfußballs" nicht die Athletik und Dynamik des Spiels, auch keine Legenden wie Maradona oder Zidane, sondern die Einsamkeit des Torhüters auf europäischen Bolzplätzen. Seine Arbeiten sind im Grunde Bilder einer spezifischen Form von europäischer Kulturlandschaft. Und der Sehnsucht nach sozialem Aufstieg. Von Peter Truschner. Mehr...

INTERVENTION

Herzingers Kassandrarufe

02.07.2026. Im Oktober letzten Jahres ist der Autor und Perlentaucher-Kolumnist Richard Herzinger im Alter von 69 Jahren gestorben. Heute erscheint der Band "Letztes Wort Freiheit" mit Essays Herzingers seit 1992. Es geht um Heiner Müller, deutsche Intellektuelle nach Srebrenica, den 11. September, Botho Strauß, die 68er, die RAF, die Gefahr des Rechtsextremismus, die Ukraine, - und viele andere Themen. Herzinger war mehr als ein Leitartikelschreiber - seine Essays gehören in die große Tradition antitotalitären Denkens. Aus den Essays bringen wir aus Anlass des Erscheinens einige Gedankensplitter, die zeigen, wie früh Herzinger jene Tendenzen benannte, denen die Demokratien heute zu erliegen drohen. Von Thierry Chervel, Richard Herzinger. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Bot-Attacken gegen den Perlentaucher

23.06.2026. Liebe Leserinnen, liebe Leser, der Perlentaucher wird zur Zeit  wie viele andere Internetseiten von Bots attackiert. Darum kann es passieren, dass unsere Seiten, obwohl sie von uns normal ausgeliefert werden, nicht erreichbar sind. Wir arbeiten an dem Problem. Mehr...

TAGTIGALL

Wiederholung - ein Erkundungsflug

22.06.2026. Poesie kann die "bequemen Polster linearer Erzählung wegschneiden" und die Dinge, auch die entferntesten, im Wiederholen bannen, sagte die Dichterin Lea Schneider auf dem diesjährigen Berliner Poesiefestival. Drei Künstlerinnen - Anne Carson, Mia You und Valzhyna Mort - zeigten, was die Kunst der Wiederholung vermag. Von Marie Luise Knott. Mehr...

INTERVENTION

Giftige Brühe

22.06.2026. "Ich habe mich entschieden, es einen Genozid zu nennen", sagte Ines Schwerdtner von der Linkspartei auf dem Parteitag. Die Delegierten jubelten. Dieser Satz verdient es, näher betrachtet zu werden. So wie Sally Rooneys Satz. "Die Befreiung Palästinas bedeutet die Befreiung der Welt." Israel wird zur Obsession - nicht nur der Linken: Im Hass auf Israel fusionieren die totaliären Ideen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

MIND THE GAP

Alle vier Jahrzeiten überstanden

22.06.2026. Der Perlentaucher und das "Toledo"-Programm des Deutschen Übersetzerfonds starten eine Zusammenarbeit. Der Perlentaucher wird auf die "Toledo"-Journale verweisen, in denen ÜbersetzerInnen über ihre Arbeit an ganz konkreten Büchern reflektieren. Und wir starten zusammen mit "Toledo" eine neue Kolumne - "Mind the Gap": Hier geht's ums Übersetzen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Den Start macht die Chinesisch-Übersetzerin Karin Betz: "Literaturübersetzung ist kein Rechenexempel, sie ist im besten Sinn unberechenbar." Von Karin Betz. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Helga Kurzchalia: Weltzeituhr

18.06.2026. In "Weltzeituhr" erzählt Helga Kurzchalia von den Siebziger- und Achtzigerjahren in Ostberlin und verwebt individuelle Erfahrungen mit dem Weltgeschehen: Eine junge Psychologin fühlt sich durch die gesellschaftlichen Verhältnisse in ihrer Freiheit eingeschränkt und fragt sich immer wieder, was normal ist und warum ihr das Normale oft so befremdlich vorkommt. Ist es ein Nachhall auf die Nazizeit? Oder ein Abbild der DDR mit ihren Normen und Zwängen, der gefühlten Enge? Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Jahrbuch Sexualitäten 2026

17.06.2026. Das "Jahrbuch Sexualitäten" ist ein jährlich erscheinendes Periodikum, das Fragen des Sexuellen in einem weiten Sinne thematisiert. Als Vorabdruck haben wir das von Jan Feddersen geführte Gespräch mit der österreichischen Grünen-Politikerin Faika El-Nagashi gewählt. Sie erzählt von ihren zwei Coming Outs - als Lesbe, nicht einfach etwa gegenüber ihrem Vater, und als queerkritische Feministin, die ihre Schwierigkeiten mit dem Sternchen hat. Erschreckend, wie groß der politische Druck auf die Szene ist, um einen bestimmten Begriff der Queerness durchzusetzen. Mehr...

INTERVENTION

Das rot-braune Phänomen

11.06.2026. Die republikanische Linke in Frankreich ist einst im Zeichen der Dreyfus-Affäre als ein anti-antisemitisches Lager entstanden.  Der Antisemit war der politische Gegner. Das hat sich verschoben. Ein großer Teil der Linken legt eine Judophobie an den Tag, die nicht einfach ein moralischer Fehler ist, sondern den Verlust des Bezugspunkts bedeutet, der ihrer Geschichte einen Sinn gab. Das führt zu einer Annäherung der Linken an den Faschismus, die die israelische Linke mit aller Kraft bekämpfen muss. Von Eva Illouz. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...